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Werden, Wachsen und Wirken des MGV Edelweiß 1892 e. V. Hillscheid
(von Paul Knapp und H.W. Portugall)
Bereits im Februar 1891 gründeten 23 Hillscheider Bürger die Theatergemeinschaft Hillscheid
und gestalteten das musische Ideal im darstellenden Spiel zur Freude der Mitbürger an weltlichen und kirchlichen Festtagen; denn spielendes Gestalten ist bis heute im Verein Tradition geblieben.
Die schnell wachsende musische Gemeinschaft gründete im Oktober 1892 –die eigentliche Geburtszeit- den MGV Edelweiß Hillscheid; denn wo die Worte im darstellenden Spiel aufhören, beginnt die
Musik, die sich verwirklicht im Lied und im Chor: als Anfang, Mitte und Endziel der gemeinschaftlichen musikalischen Begeisterung, denn Singen ist vergeistigter Atem, der Ton geworden ist.
Bereits im 1. Jahrzehnt seines Bestehens pflegte der Verein gute Kontakte zu Brudervereinen im Westerwald, im Lahntal und im Koblenzer Raume und konnte wertvolle Anerkennungen und Preise in Montabaur,
Nassau, Rübenach und in Koblenz-Horchheim erringen.
Als Höhepunkt im 2. Jahrzehnt seines Bestehens gewann der Chor mit 42 Sängern in Cochem gegen starke Konkurrenz von 23 Vereinen den 1. Klassen-, den Ehrenpreis und den Fürstenpreis.
Den steten Aufstieg unterbrach der 1. Weltkrieg, aus dem sechs Sänger nicht heimkehrten. Erst als man auf der Suche nach einem tüchtigen Dirigenten 1926 in Wilhelm Kirberger einen dynamischen
Chorleiter fand, errang der Chor wieder höchste Ehren- und Dirigentenpreise.
Unliebsame politische Ereignisse 1934 und die schrecklichen Jahre des 2. Weltkrieges –elf Sänger kehrten nicht heim- ließen das Vereinsleben fast erlöschen, bis dann die Rückkehr des früheren Dirigenten
Kirberger die gesangliche Dynamik wieder aufblühen ließ und zahlreiche Preise auf Wettstreiten errungen wurden.
Musikalische Höhepunkte erlebte der Verein innerhalb der Chorgemeinschaft Kirberger (MGV Eintracht Siershahn, MGV Frohsinn Staudt und MGV Edelweiß), als er in dieser Sangesgemeinschaft den Sängerkreis
Unterwesterwald vertrat bei den Sängerfesten 1955 in Trier und 1956 in Stuttgart, ferner 1964 in der „Woche für Chormusik“ in Ludwigsburg. Auch in Chorsendungen des Südwestfunks und des Süddeutschen Rundfunks,
ebenfalls bei Konzertreisen durch Süddeutschland, Luxemburg, Österreich, Belgien und durch die Schweiz bewies er sein errungenes Niveau.
Der ehemalige Chordirigent des Stadttheaters Koblenz, Siegfried Prang, führte den Chor in eine für ihn neue musikalische Ebene: Fast sechs Jahre lang wirkten die Sänger in den Opern
„Aida“, „Macbeth“ und „Don Carlos“ mit.
Ungebrochen blieb die Dynamik des Vereines, weil er jene Weisheit realisierte: „Eine Gemeinschaft ist nicht die Summe vonInteressen, sondern die Summe von Hingabe.“(Antoine de Saint-Exupery)
Dazu verhalf der Vorsitzende Gerd Schneider, der mit Sensibilität, taktischem Geschick und eigener Opferwilligkeit von 1966 bis 1994 den Verein führte.
So bildete sich im Frühjahr 1986 der Frauenchor unter dem Dirigenten Hallerbach; aber bereits nach wenigen Wochen gesellten sich Tenor- und Baßstimmen hinzu, so dass sich als stets wachsende flora
musica ein immer stärker werdender Gemischter Chor in der Chorgemeinschaft bildete.
Die gemeinsame musikalische Brisanz brachte Erfolge auf Konzertreisen nach Süddeutschland und –auf Einladung des Magistrats- in Wien, aber auch bei Festkonzerten in Hillscheid, so z.B. in der
Pfarrkirche mit dem Capella Knabenchor St.Petersburg, ebenfalls, wenn er offizielle Feste chorisch gestaltete -oft in Westerwälder Tracht-, so bei den Rheinland-Pfalz-Tagen in Zell oder mit dem Gemischten Chor
beim 25jährigen Bestehen der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen.
Leuchtpunkt wurde die Feier des 100jährigen Vereinsbestehens, welche die Chorgemeinschaft auch mit seinen blühenden Zweigen Tanz- und Trachtengruppe folkloristisch gestaltete.
Eine „Urzelle“, das darstellende Spiel, verwirklichte der Verein 1993 mit dem Theaterstück „Die Söhne der Genoveva“, gedichtet und gestaltet von Marlene Krupp, das so erfolgreich geboten wurde,
dass es bei der 10jährigen Geburtstagsfeier des Gemischten Chores wiederholt wurde.
Eine gesangliche Höhenreise begann, als im Februar 1994 Günter Pörtner das Dirigat übernahm. Seine hohe musikalische Bildung, sein mitreißendes Temperament und auch seine starke Persönlichkeit führte
bereits im Herbst 1996 zu einer Konzertreise nach Rom, wo die Chorgemeinschaft Edelweiß im Verbund der Pörtner-Chöre konzertierte in St.Ignatius, in der Peterskirche und in einer römischen Pfarrkirche, in der es mit
dem mitkonzertierenden römischen Chor zu einer unvergesslichen menschlichen Begegnung kam.
Kaum eine Woche später errang der Verein mit beiden Chören unter seinem Dirigenten, Musikdirektor Günter Pörtner, die Meisterchor – Qualifikation. Realisiert wurde hiermit jener Sinnspruch des Römers
Vergil:
„Menschen sind wie Musikinstrumente; ihre Resonanz hängt davon ab, wer sie berührt.“
Trotz aller konzertanten Erfolge bleibt der Chor verwurzelt in seinem dörflichen Lebenskreis. So gestaltete er mit seinem Bruderverein „Eintracht“ Hillscheid die Festwoche „1000 Jahre Hillscheid“,
singt bei familiären Jubiläen, hilft bei der Festgestaltung anderer dörflicher Vereine, wirkt bei kirchlichen Festtagen, organisiert die jährliche Kirmes und hilft ebenfalls caritativerweise permanent durch hohe
Geldspenden an notleidende Menschen.
Seit Januar 1994 führt Ulrich Lohse als Vorsitzender den MGV Edelweiß mit rund 60 aktiven Stimmen, die mit ihrem Idealismus jenen Gedanken von Bernanos realisieren wollen:
„Seine Freude in der Freude des anderen zu suchen, das ist das Geheimnis des Glückes.“
Und dies „Geheimnis“ erschloss die Chorgemeinschaft auf ihrer Konzertreise 1997 durch Thüringen in einem Liede:
„Als Freunde kamen wir, als Freunde gehen wir!“
Möge der MGV Edelweiß 1892 e.V. Hillscheid jener Weisheit von Tagore treu bleiben:
„Gott achtet dich, wenn du arbeitest, aber er liebt dich, wenn du singst.“
Paul Knapp
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